Tropfen tropfen tropfig auf mein Fensterbrett.
Gerade Meeresfrüchte gesehen und, oh mann, wie schön die alle sind, in diesem Film. Valeria! Mochte ihren Namen auf dem Weg nach Hause unablässig zum Himmel schreien, weil die so Sachen gemacht hat, die Leuten in meinem Alter imponieren: Tanzen und Singen, Sex mit dem Liebhaber, Ehe mit einem Schwulen, Joints am Abend, keine Ahnung. Und die Männer waren natürlich auch allesamt toll, ganz klar. Und lustig und irgendwie klamaukig und Französisch, vor allen Dingen. Und la mer, the sky, die Küste, die Kieselsteine in der Einfahrt. Und ja, man darf diesen Film natürlich auch nicht mögen. But hey, who cares!
[compassion] Den toten Vogel am Rande des Parkplatzes hatte ich bereits zehn Meter später, nachdem ich die gerade grün gewordene Ampel in Längsrichtung überquert hatte, wieder vergessen. Gedacht: »Der Außenseiter wird gemieden, weil er die drohende Vernichtung verkörpert«.
Heute mit Ernest Hemingway in Afrika gewesen.
Diese unglaublichen, undurchsichtigen Gardinen allerorts. Komme auf diese forcierte Privatheit, auf das schummrige, milchige, modrige Licht, welches sich in den Räumen hinter den Fenster zu verbergen scheint, momentan nicht klar. Finde diese Idee ja auch total absurd, sich oder sein Leben irgendwie verstecken zu wollen, auf diese Weise. Vielleicht auch nur etwas dünnhäutig, derzeit, don't know.
Gestern Nachmittag durch die volle Stadt gelaufen, mich fremd gefühlt. Kaum Geld dabei, auch die Shopping-Ambition scheinbar zu Hause vergessen gehabt. Mich umgedreht, einer spontanen Eingebung folgend die paar Schritte zum Obsthändler zurück, die erste Nektarine (»[...] ihr Nährwert liegt 60% über dem des Pfirsichs!«) des Jahres gekauft. Unglaublich, wie warm und freundlich es ganz schlagartig in mir wurde, wie mich die Zufriedenheit umspülte, für einige Minuten.
Endlich (!) angefangen, mir die zweite Twin-Peaks-Staffel zu geben. Von einem freundlichen Herren alle Folgen in guter Bild- und Tonqualität zugeschanzt bekommen, nachdem S. sie mir am gleichen Tage auf postalischem Wege hat zukommen lassen. Wieder in diese urkomische Lynch-Welt gesunken, nach den ersten Minuten. Das diabolische Lachen des Bösen, repräsentiert durch den vermeindlichen Mörder Laurer Palmers, das steht für mich stellvertretend für das distortive Lachen Lynchs. Wie gut er sich darauf versteht, gesellschaftlich konstruierte Realitäten zu erschüttern, mit wenigen, ganz subtilen Stilmitteln, das fand ich immer unfassbar. Der große Fiesling und Besitzer des Great Northern, beispielsweise, wie er vor dem Kaminfeuer Trimmrad fährt. Oder wie er sehr lautstark ins Kaminfeuer spuckt.
F. (welcher im übrigen auch ein unglaublicher Sprach-Artist zu sein pflegt) erzählt, dass ein Kinobesuch heute nicht zu seinem Konzept des Leidens passen würde, welchem er seit wenigen Stunden anhängt. Er vergisst das Brot und die Gurken und die Tofu-Terrine auf dem Tisch, isst sehr viel Eis, zeigt mir ein altes Passfoto und wir lachen über die Frau in der Wohnung über uns. Er sagt, dass Bremen nicht schön ist, weil es dort Kopfsteinpflasterstraßen gäbe und Menschen, die sich dafür einsetzen, diese zu erhalten. Er entlüftet den Sitzball, weil er zu viel Platz verbraucht und schläft auch bei tropischen Temperaturen bisweilen bis in die späten Morgenstunden hinein. Und er sieht mit mir Futurama und Die Simpsons und Six Feet Under und Twin Peaks und ich konnte ihn gar dazu bewegen, sich die ersten drei Stunden Angels of America anzusehen. Gut, nicht?
Den Computer an den USB-Drucker angeschlossen. Sofort dagewesen, ohne dass ich hätte noch etwas installieren müssen, auch mit einem für dieses eine Modell individuell angepassten Symbol. Finde das nach wie vor erstaunlich, wie viel Computer inzwischen können. Wie unkompliziert die auch geworden zu sein scheinen. Doch wenn man bedenkt, wie steinzeitlich das doch eigentlich ist, die Texte noch selbst und per Hand einzugeben, statt sie sich vom Computer direkt aus dem eigenen Hirn auf den Bildschirm ziehen zu lassen.
Während ich die Straße überquere kurz gedacht: Altherrensport Flugkörperkunde. Die vorbeiziehenden Vögel am Himmel zu beobachten, sich auszumalen, wer da alles so drinhocken mag, was die jetzt gerade essen trinken denken sagen, wohin die Reise geht, wie sich die Luft dort oben anfühlt. Oder Wolkenformationen. Würde gern auch Zeit damit verbringen, den Himmel in anderen Ländern gelangweilt zu betrachten, während ich trinke esse denke rede. In Mexiko, beispielsweise. In der flirrigen Hitze Götz lesen, rauchen, den Schweiß laufen lassen, kaum noch denken könnend vor lauter Staub und Schweiß im Bregen.
Man muss sich das erkämpfen, das Schreiben. Ohne Schreiben kommt es nicht. Nicht bei mir. Wobei diese Vorstellung, dass da etwas alienhaft nach Außen drängt, nach Verkörperung schreit, die ist ja auch eine sehr reizvolle. Wie der Text dann später, wie Murakami das beschreibt, ein Eigenleben entwickelt, sich von selbst schreibt, wenn man erst losgelassen hat, vom zu nichts führendem Denken abgelassen hat, sich der Vorstellung, es wäre ein Tag im Hochsommer in einer nordrhein-westfälischen Großstadt, befreit hat.
Die langen Haare des hageren, tätowierten Mannes. * Die Festivalbänder des Langweilers mit den gelockten Haaren. * Die nichts sagenden Farben der T-Shirts der anderen. * Die schlecht lackierten Fußnägel der Frau. * Der kleine Junge mit dem Pflaster über dem Auge. * Die Meute vor der schmutzigen Kneipe, gestern Nacht, sich Betrunkenengeschichten erzählend. * Die Müllmänner mit ihren gelben Rennwagen, gestern Nacht. * S., mich von hinten leicht anstupsend, einfache Sympathie bekundend. * Die grinsende, mir etwas hinterherrufende, mir mit dem Fuß die Tür aufhaltende junge Frau, die ich dann lange, ihr den sonnenbebrillten Kopf zuwendend, angrinse. * Der sonnige Tag.
Die Studenten mit ihrem Studenten-Klimbim. Alles voller kleiner Karteikärtelchen und Notizzettelchen, dauerhaft in ihren Taschen herumkramend. Wie mich das stört, massiv, bisweilen.
Ah!: das futuristisch kühle des Peace Orchestra.

Unter der Oberfläche der weltweiten Premiereneuphorie aber kommt es zu einer Art Austrocknung. Womit die großen Produktionsfirmen nicht rechnen, ist der Fluch der Popularität. Wenn etwas zu beliebt, zu anerkannt ist, lässt sich damit kein Publikum mehr mobilisieren. Zu den Eigentümlichkeiten der Popkultur gehört nämlich: Es muss Gegner im Stil, im Geschmack geben; der Fan und eben auch der Filmfan liebt gerne gegen Widerstände an, gegen Missachtung und vor allem gegen den Mainstream. Erst daraus ergibt sich jene Intensität, die den sogenannten Hype erzeugt.Freitag > Barbara Schweizerhof > Rein in die Nische. Gutes Statement zu kommerziellen und nicht kommerziellen Kino- und TV-Produktionen. Aufgegriffen werden unter anderem Spielbergs Krieg der Welten, Sex and the City sowie West Wing. 'Türlich, der Versuch, sich da noch mit reinzuquetschen, auch die Leute mit Vorlieben und Interessen anzusprechen. Abstruse Produktionen wie Sky Captain and the world of tomorrow und Sin City hätten es ohne diesen Blick aufs Spezielle wohl kaum je in die Kinos geschafft. Halte das für eine sehr sinnvolle Idee, dieser Versuch, individuelle Vorlieben anzusprechen, kann doch der geneigte Zuschauer davon eigentlich nur profitieren. Wobei, Überangebot, Überforderung, Überdehnung des Konzeptes etc. Doch wieder keine Ahnung, letztlich.
Die offizielle Geschichte Amerikas, wie wir sie in den Schulbüchern nachlesen können, ist eine Geschichte gebauter Städte, Brücken und Straßen, gewonnener und verlorener Wahlen und Schlachten. In der Tradition der amerikanischen Ballade ist die Geschichte Amerikas eine andere. Statt von den Präsidentschaftswahlen zu singen, sang man von den Attentaten auf die Präsidenten. Was zählte, waren die Brüche in der Kontinuität von Geschichte. Denn die Menschen damals liebten das Drama, und ihre Songs waren wie kleine Theaterstücke, doch blieben sie stets vage und mysteriös, sie erzählten nie die ganze Geschichte. Mit dem verblüffenden Effekt, dass sie einen - auch heute noch - umso mehr fesseln. Man möchte das Fehlende erforschen. Die Imagination wird beim Hören der Lieder gefordert.taz > Max Dax > »Ich spiele mit der Imagination«. Der Herausgeber des leider verschwundenen ALERT-Magazins im Interview mit Greil Marcus, über dessen neues Bob-Dylan-Buch. Sehr schön, dass der jetzt auch noch ein Buch über nur einen einzigen Dylan-Song (Like A Rolling Stone) geschrieben hat. Kam alles sehr echt und enthusiastisch rüber, was der so von sich gegeben hat. Und das Buch ist im Übrigen seit Juni auch auf Deutsch zu haben.

Lokalisierung des Ich inmitten von.
Sie nahm ihn sich ganz selbstverständlich.
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